Projekt kulturer.be
7.7.26
(tisw) Mit einer kostbaren Tabatière aus der Mitte des 18. Jahrhunderts präsentiert „Museum frei Haus“ im Juli ein außergewöhnliches Zeugnis höfischer Repräsentationskultur. Die fein gearbeitete Schnupftabakdose – mutmaßlich aus Meißener Porzellan – verbindet kunsthandwerkliche Meisterschaft mit politischer Symbolik und eröffnet einen faszinierenden Einblick in die Welt des kurpfälzischen Hofes zur Zeit Kurfürst Carl Theodors.
Tabatière mit Miniaturbildnis des Kurfürsten Carl Theodor
Foto: Stadt Schwetzingen / Tobias Schwerdt.
Schnupftabak erfreute sich im 18. Jahrhundert großer Beliebtheit und gehörte an den europäischen Fürstenhöfen zum guten Ton. Entsprechend entwickelten sich Tabatièren von einfachen Gebrauchsgegenständen zu kostbaren Luxusobjekten, die den gesellschaftlichen Rang ihres Besitzers unterstrichen. Gefertigt aus edlen Materialien wie Gold, Silber, Emaille oder Porzellan und häufig mit aufwendigen Malereien oder Miniaturen verziert, wurden sie zu begehrten Sammelstücken und Ausdruck höfischer Eleganz.
Darüber hinaus erfüllten Tabatièren eine wichtige diplomatische Funktion. Fürsten ließen sie als kostbare Ehrengeschenke anfertigen, um politische Beziehungen zu festigen, Verdienste zu würdigen oder ihre Wertschätzung gegenüber hochrangigen Persönlichkeiten zum Ausdruck zu bringen. Insbesondere Erzeugnisse der Meißener Porzellanmanufaktur genossen europaweit höchstes Ansehen und galten als besonders exklusive Geschenke.
Die im Museum der Stadt Schwetzingen bewahrte Tabatière entstand wohl um 1756/57 in Meißen. Ihre besondere Raffinesse offenbart sich erst beim Öffnen: Im Innendeckel befindet sich ein fein gemaltes Miniaturporträt des jungen Kurfürsten Carl Theodor, das vermutlich von dem Miniaturmaler Johann Martin Heinrici stammt. Das verborgene Bildnis verleiht der Dose eine persönliche und repräsentative Bedeutung zugleich und lässt vermuten, dass sie einst als diplomatisches Geschenk oder höfische Auszeichnung vorgesehen war.
Die Tabatière verdeutlicht eindrucksvoll, wie eng Kunst, Politik und höfische Repräsentation im 18. Jahrhundert miteinander verflochten waren. Zugleich erinnert sie an die Bedeutung Carl Theodors als Landesherr und Förderer von Kunst und Kultur, dessen Hof in Schwetzingen und Mannheim weit über die Grenzen der Kurpfalz hinausstrahlte. Das kostbare Kleinod steht damit exemplarisch für die glanzvolle Epoche, die Schwetzingen bis heute prägt, und macht deutlich, wie selbst ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand zum Träger fürstlicher Selbstdarstellung und diplomatischer Botschaften werden konnte.
Zu sehen ist das „Objekt des Monats“ in der Stadtbibliothek Schwetzingen. Die Kooperation von „Museum frei Haus“ und Bibliothek bringt Geschichte sichtbar in den Alltag – zentral, kostenfrei und für alle zugänglich.
Weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen und Angeboten von „Museum frei Haus“ werden regelmäßig veröffentlicht. Interessierte können sich unter
Museum frei Haus auf dem Laufenden halten.
| im Detail: | |||
| Icon obenPexels, Ksenia Chernaya | siehe auch: | ||
Startseite | Service | zur
ZUM | © Landeskunde online/ kulturer.be 2026
© Texte der Veranstalter, ohne Gewähr