Bislang war
Herrenmode ein Stiefkind im Bereich musealer Präsentationen sowie
wissenschaftlicher Publikationen. Jetzt rehabilitiert das Modemuseum
dieses zu Unrecht vernachlässigte Thema durch die groß angelegte
Ausstellung "Von Pfau zu Pfau - Herrenmode vom Rokoko bis heute".
Mit zahlreichen Exponaten aus eigenen Beständen - Kleidungsstücken
und Accessoires wie Hemden, Hüte oder Hosenträger, aber auch Karikaturen,
welche die Eitelkeit von "Dandys" und "Modegecken" satirisch aufs
Korn nehmen - wird ein spannendes Kapitel europäischer Mode- und
Kulturgeschichte aufgerollt.Dabei geht es nicht um eine chronologische
Gesamtdarstellung der Entwicklung der Herren-Couture von ihren Anfängen
bis heute. Vielmehr soll an typischen Trägergruppen das Wechselspiel
zwischen Extrovertiertheit und Konservativismus beleuchtet werden,
um das Vorurteil männlicher Phantasielosigkeit zu entkräften. Viele
der wertvollen Stücke hatten prominente Besitzer: so ist ein Hausrock
König Ludwigs I ebenso zu entdecken wie der Trachtensmoking des
Malers Ruppert Stöckl oder ein Mantel des Pianisten Claudio Arrau.
Die
Schau setzt mit der exzentrischen höfischen Männermode im Frankreich
Ludwigs XIV ein, die stilbildend für den Rest Europas werden sollte.
Bunte Fräcke des Rokoko und bestickte Biedermeier-Westen demonstrieren
modische Variationen früherer Epochen. Erst mit der Gründerzeit
setzte der Trend zum schwarzen Anzug ein, der bis heute anhält -
auch wenn auf den Laufstegen von Mailand, Florenz und Paris phantasievolle
Formen und originelle Farbkombinationen für Männer dominieren. Wie
stark das Wechselspiel der Mode auch das 20. Jahrhundert prägte,
lässt sich an der Spanne zwischen den lockeren, sportlichen Schnitten
der Gesundheitsreform um 1900 erkennen, die sich zu schmalen Silhouetten
der 20er und breiten Schultern in den 30er Jahren veränderten und
bis zu legeren Jugend- und Freizeitmode der 50er Jahre reichten.
Besonders nach dem 2. Weltkrieg setzte ein permanentes Auf und Ab
stilistischer Trends ein, die von zeitgeschichtlichen Ereignissen
inspiriert wurden - sei es die musikalische Revolution der Beatles,
welche sich in popigem Blumendesign auf männlichen Brüsten niederschlug
oder die kriegerischen Auseinandersetzungen im letzten Jahrzehnt,
die Tarnanzüge im Military-Look "in" werden ließen.
Mit Entwürfen unter anderem von Moschino und Versace führt diese
Mode-Schau auch Positionen der Avantgarde vor, die einmal mehr
beweisen: Männermode muss nicht einfallslos und öde sein. Aber
auch der Mann braucht Mut zum fröhlichen Spiel ums modische Outflt!