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Spiegel
der oberschwäbischen Geschichte
Die
über 100 Klöster, Kirchen und Schlösser, die dievor über
40 Jahren ins Leben gerufene Oberschwäbische Barockstraße
verbindet, sind ein lebendiger Spiegel der oberschwäbischen
Geschichte. Die kulturelle Blütezeit des Landstrichs im
Zuge der Gegenreformation kann hier auf eindrucksvolle Weise
nachempfunden werden.
Üppige
Formen, lebendige Farben, eine Architektur, die den Himmel
auf die Erde holt: Das ist der Barock, wie er in Oberschwaben
zu Hause ist, der den Betrachter von "Paradies auf Erden"
schwärmen und ihn die Gegend zwischen Donau und Bodensee
zum "Himmelreich des Barock" erheben lässt. Nirgendwo sonst
prägen so viele Zeugnisse barocker Baukunst eine Region.
Die leicht wellige Landschaft Oberschwabens verschmilzt
förmlich mit ihren Bauwerken zu einem Gesamtkunstwerk.
Vor
der Entfaltung dieser Pracht mussten jedoch erst die Folgen
des 30-jährigen Kriegs überwunden werden - alte Klöster
waren niedergebrannt und etliche der einst prächtigen Kirchen
waren schwer beschädigt. Doch dann kam der Aufschwung. Einwanderer
zogen ins Land, die Bauern bestellten ihre Felder wieder
und füllten die Kassen ihrer Lehensherren - in Oberschwaben
meist Klöster, deren Macht nach dem katholischen Sieg im
30-jährigen-Krieg gefestigt war. Und die Herren wollten
zeigen, wer sie waren und was sie besaßen. So entstanden
prächtige Bauten im Stile des Barock, der sich, von Italien
ausgehend, schon seit Ende des 16. Jahrhunderts zum vorherrschenden
Bau- und Kunststil in Europa entwickelt hatte. Alles sollte
lesbar und verständlich sein. Bei den Klosterbauten dominierten
vierflügelige, symmetrische Anlagen mit mächtigen Kirchen,
wie sie in Rot an der Rot und Obermarchtal umgesetzt und
anderswo, wie in Schussenried und Weingarten, zumindest
begonnen wurden. Bei aller Klarheit galt es auch, eine Botschaft,
die christliche Botschaft, zu verkünden und das neue Weltbild
sichtbar Gestalt annehmen zu lassen. Und so schmückten prächtige
Engel und opulente Fresken und Gemälde sakrale wie weltliche
Räume. In Deckengemälden wie beispielsweise in den Klosterkirchen
von Weingarten, Zwiefalten und Ochsenhausen, in der Wallfahrtskirche
Steinhausen und im Bibliothekssaal Bad Schussenried spiegelt
sich das Weltbild dieser Zeit wider, in dessen Zentrum die
christliche Heilsgeschichte steht.
Die
barocke Blüte Oberschwabens kam spät - und sie dauerte nicht
sehr lange. Die wichtigsten Bauten des oberschwäbischen
Barock entstanden erst im 18. Jahrhundert - und schon zu
Beginn des 19. Jahrhunderts fand die Pracht ihr Ende: Napoleon
ordnete Europa neu, eine Folge war die Aufhebung der Klöster
im Jahr 1803, um den deutschen Adel für verlorene Gebiete
westlich des Rheins zu entschädigen. Oberschwaben versank
in der Bedeutungslosigkeit. Die einst so prächtigen barocken
Bauten verfielen oder bekamen neue Nutzer: psychiatrische
Kliniken, Schulen, Kasernen und Manufakturen. Der Dornröschenschlaf
Oberschwabens dauerte bis ins 20. Jahrhundert. Als das deutsche
Wirtschaftswunder für Wohlstand sorgte, erwachte auch das
Interesse an den alten Barockbauten wieder. Deshalb präsentieren
sich die großzügigen Bauten mit ihrer überschwänglichen
Dekoration, mit den vielen Engeln, Heiligen und Gelehrten
heute so schön, wie wohl nie zuvor.
1966
entschlossen sich Touristiker aus Oberschwaben, dieses Potenzial
zu bündeln und gründeten mit der Oberschwäbischen Barockstraße
eine der ersten touristischen Straßen Deutschlands, die
noch heute eine der beliebtesten ist. Auf vier Routen -
insgesamt über 700 Kilometer lang - verbindet sie rund 100
barocke Bauwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Markenzeichen der Barockstraße ist ein gelber Putto auf
grünem Grund. Zum 40. Geburtstag ihrer Barockstraße haben
die Oberschwaben ein umfangreiches Programm aufgestellt,
das alle Sinne anspricht: So bietet der "BarockSommer" ab
Mai 2006 eine Fülle von Veranstaltungen für Auge, Ohr und
Seele, und auch der Gaumen kommt - dank der Aktion "KulinarischBarock"
nicht zu kurz.
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