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Johann Balthasar Neumann verbrachte seine erste Lehrzeit
vermutlich bei seinem Paten, dem Glocken- und Metallgießer
Balthasar Platzer und wechselte Anfang des 18. Jahrhunderts
nach Würzburg zu Sebald Koch, wo er 1711 den Lehrbrief der
"Büchsenmeister, Ernst- und Lustfeuerwerkerey" erwarb. 1712
trat er als Gemeiner in der fränkische Kreis-Artillerie
ein, da er nur auf diesem Weg die nur Militärs offenstehende
Laufbahn des Ingenieurs einschlagen konnte, und vervollkommnete
seine Kenntnisse durch Studien auf dem Gebiet der Festungsbaukunst.
Seit 1714 ist er im Dienst des Würzburger Hochstifts nachzuweisen.
1717/18 befand er sich mit den fränkischen Truppen in Österreich
und Ungarn, wo er vermutlich als "Ingenieur" bei der Befestigung
von Belgrad mitarbeitete. In Wien lernte er auch die richtungweisenden
Barockbauten Johann Bernhard Fischer von Erlachs und Johann
Lucas von Hildebrandts kennen und schulte sein architektonisches
Gespür an ihnen. Eine Reise nach Mailand brachte ihm wohl
auch die Begegnung mit den Werken Guarino Guarinis, die
bestimmend für seine spätere genialische Auffassung von
Raum wurden. Nachdem er in dieser Zeit unter der Leitung
der Würzburger Baumeister Andreas Müller und Joseph Greising
gearbeitet hatte, berief 1719 der neue Fürstbischof Johann
Philipp Franz von Schönborn den Stückhauptmann und Oberingenieur
Neumann zum fürstbischöflichen Baudirektor in Würzburg,
als der dieser 1720 schließlich die Planung für den Neubau
der Würzburger Residenz übernahm. der Würzburger Fürstbischof
folgte dabei der Empfehlung seines Onkels, des Mainer Kurfürsten
Lothar Franz von Schönborn, der schon 1715 ein Auge auf
das aufstrebende Talent des Baumeisters geworfen hatte. Seine
Ideen von Architektur schult Neumann in diesen ersten Jahren
in der Zusammenarbeit mit anderen im Dienst des Würzburger
Bistums stehenden Architekten, wie Maximilian von Welsch,
die Gebrüder von Erthal oder Ritter von Gronesteyn, durch
die er mit der französischen Frühklassik Mansarts in Berührung
kommt. Stilprägend wird aber die Auseinandersetzung mit
dem Wiener Meister Johann Lucas von Hildebrandt. Im Zusammenhang
mit dem Bau der Residenz unternahm er im Auftrag seines
fürstbischöflichen Dienstherren eine Studienreise, die ihn
über Mannheim, Bruchsal, Straßburg und Nancy nach Paris
führte. Hier festigte er in Kontakt mit Robert de Cotte,
dem Ersten Architekten des französischen Königs, die bahnbrechenden
Ideen neuer Raumdispositionen. Mit Germain Boffrand, dem
anderen der großen Architekten Frankreichs. zusammen entwickelte
Neumann in Paris seine Ideen von einem großzügigen Treppenhaus
weiter, die ihn später berühmt machen sollten. 1724 avancierte
er zum Major; durch die Heirat 1725 mit Maria Eva Engelberta
Schild, der Tochter des geheimen Rats Franz Ignaz Schild,
erhielt er familiären Zugang zu einflussreichen Beamten-
und Ratsfamilien in Stadt und Bistum. 1729 wurde er Obristleutlant
und anstelle Maximilians von Welsch Baudirektor in Bamberg,
dem zweiten Bistum des neuen Würzburger Fürstbischofs Friedrich
Karl von Schönborn. 1731 erhielt er den für ihn neu eingerichteten
Lehrstuhl für Zivil- und Militärbaukunst an der Universität
Würzburg und wurde 1741 Oberst, womit er den höchsten für
ihn möglichen militärische Rang erreichte. Durch die Politik
der vom "Bauwurmb" besessenen Familie Schönborn, möglichst
viele Bistümer mit Angehörigen zu besetzen, erweiterte sich
Neumanns Wirkungskreis von Würzburg und Bamberg schließlich
auf die Bistümer Speyer, Konstanz und Trier, selbst der
Kölner Kurfürst Clemens August von Wittelsbach gibt ihm
Auträge. Ab 1723 war Neumann Mitglied der bischöflichen
Baukommission, die er ab 1725 faktisch leitete. Nicht zuletzt
als Baudirektor des Domkapitels erreichte eine dominierende
Stellung im Würzburger Bauwesen, auch nachdem er unter Schönborns
Nachfolger Anselm Franz von Ingelheim das Amt als Oberbaudirektor
vorübergehend verlor. Daneben war er auch erfolgreicher
selbständiger Unternehmer, als der er im Steigerwald die
Schleichacher Glashütte und in Würzburg eine Spiegelschleiferei
betrieb. Mit seinen Erzeugnissen versorgte er nicht nur
die eigenen Bauten, sondern exportierte auch in andere Länder. Am
Ende seines Lebens zeichnete Neumann im Auftrag des Kaisers
Franz von Lothringen Entwürfe für ein neues Treppenhaus
in der Wiener Hofburg, die zu den großartigsten Treppenhäusern
der Barockzeit zählen (1747), sowie gewaltige Entwürfe für
Residenzen in Stuttgart (1747-49) und Karlsruhe (1750/51)
sowie für Schwetzingen (1752) Neumann starb 1753 in Würzburg
als Oberst der Artillerie und fürstbischöflicher Oberbaudirektor.
Die von ihm begonnene Abteikirche Neresheim wurde von anderen
vollendet.
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