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Der
Schlosshof, wie es sich dem Betrachter bietet, wenn er
ihn durch das große Renaissancetor betritt. Links
der Friedrichsbau (erbaut
1601 - 1607) mit der Ahnengalerie der Kurfürsten, rechts
davon der Gläserne Saalbau (1544-1546).
Ganz rechts der Ottheinrichbau,
der erste Renaissancepalast im deutschen Schlossbau. Unterhalb
des Friedrichsbaus der Zugang zum Großen
Fass
Das Schloss geht in seinen Ursprüngen auf eine Neugründung,
vermutlich des Bayernherzogs und Pfalzgrafen Otto II. oder
seines Sohnes Ludwig, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts
zurück. In seiner Größe ist es durchaus vergleichbar mit
bayerischen oder fränkischen Anlagen der Zeit. Als Burg des
Pfalzgrafen muss es bereits im 13. Jahrhundert mit Dürnitz
und Befestigungen einen respektablen Eindruck vermittelt
haben.
Archäologische Zeugnisse legen einen zerstörerischen Brand
zu Beginn des 14. Jahrhunderts nahe, nach dem die Burg, vor
allem auch nach der Trennung der Pfalzgrafschaft vom Herzogtum
Bayern, zügig wieder aufgebaut wurde. Die erhaltenen Gebäude
im Schlosshof datieren vom Beginn des 15. (Ruprechtsbau)
bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts (Friedrichsbau). Kurfürst
Ludwig V. verwandelt zwischen 1520 und 1544 die Burg durch
umfassende Neu- und Umbaumaßnahmen in eine moderne Festung,
die gleichzeitig durch den repräsentativen Glanz den Wandel
von der Burg zum Schloss markieren.
Mit Kurfürst Ottheinrich (1556 - 59) ziehen Renaissance
und Reformation ein, sein Palast ist der erste wirkliche
Renaissacepalast im deutschen Schlossbau.
Kurfürst Friedrich V. verlässt mit seinem "Englischen Bau"
den engeren Bereich des Schlosshofs und nutzt den Nordwall
der Befestigungen als Standort seines Palastes. Er gibt dem
Schlossareal sowohl durch die Anlage eines Gartens auf dem
alten Stückgarten, vor allem aber durch den Bau eine weitläufigen
Renaissancegartens, des "Hortus Palatinus", ein modernes
höfische Gepränge.
Sein Versuch, für das pfälzische Haus und die protestantische
Sache im Reich die böhmische Königskrone zu erringen, löst
1619 den Dreißigjährigen Krieg aus, der den völligen Ruin
der Pfalzgrafschaft zur Folge hat. Sein Sohn Karl Ludwig
erhält 1648 im Westfälischen Frieden die Pfalz zurück
und kann anschließend auch dem Schloss wieder neuen Glanz
geben. Iim Krieg des französischen Königs Ludwig XIV.
gegen die Augsburger Liga, bei dem als Nebenkriegsschauplatz
auch die Pfälzischen Erbansprüche der Eisabeth Charlotte,
genannt "Liselotte von der Pfalz" herhalten müssen, wird
die Pfalz samt der Residenz Heidelberg erobert und zweimal,
1689 und 1693 zerstört.
In der Folge dieser durchgreifenden Zerstörungen bleibt
das Schloss trotz aller Wiederherstellungsmaßnahmen ein Nebenschauplatz
des kurpfälzischen Hofs, der zunächst in Düsseldorf, dann,
nach einem kurzen Zwischenspiel in Heidelberg, in Mannheim
residiert. Die letzten Wiederherstellungsarbeiten, die das
Schlos immerhin als Sitz von Verwaltungsstellen der Kurpfalz
tauglich machten, gingen in einem Großfeuer 1764 zugrunde.
Das frühe 19. Jahrhundert entdeckt das Schloss als romantische
Ruine, und vor allem den Bemühungen des französischen Emigranten
Charles de Graimberg ist es zu verdanken, dass die weitere
Zerstörung durch Steinraub und Nachlässigkeit unterblieb.
Das späte 19. Jahhrundert allerdings möchte in seinem Bestreben,
die Geschichte zu "reparieren", auch die Zerstörung des Schlosses
rückgängig machen und plant einen großzügigen Wiederaufbau.
An der Rekonstruktion des Friedrichsbaus 1890 bis 1900 -
und vor allem an seiner Ablehnung - entwickelt sich der Gedanke
des
modernen
Denkmalschutzes.
Baumaßnahmen des 20. Jahrhunderts haben eher unauffällige
Einbauten zum Ziel. In den 1930er Jahren wird der Königssaal
als Festsaal der Stadt eingerichtet, in den 1950er
Jahren wird der Nordteil des Ruprechtsbaus wieder
eingewölbt
und
der
Ottheinrichsbau
erhält ein inneres Dach. Beide Maßnahmen haben die Gewinnung
von Ausstellungs- und später auch Veranstaltungsfläche zum
Ziel. Das Land als Eingentümerin der Ruine muss jährlich
Millionen investieren, um das Bauwerk zu erhalten.
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