Die Kriege Napoleons
Louis François Lejeune, General und Maler
Ausstellung
14. Februar bis 13. Mai 2012 - Salles d’Afrique et
de Crimée, Schloss Versailles
Schloss Versailles präsentiert eine Ausstellung über
Louis François Lejeune (1775-1848), eine einzigartige
Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts, die eine künstlerische,
militärische und politische Karriere in sich vereinigt.
120 Objekte – Gemälde, Zeichnungen, Karten und
zeitgenössische wissenschaftliche Instrumente – erlauben
einen Blick auf diese wenig bekannte Persönlichkeit.
Die Ausstellung zeigt die Entstehung eines Schlachtengemäldes
von der militärischen Beobachtung bis zur Fertigstellung
des Geschichtsbilds und stellt die Frage nach der historischen
Wahrheit.

Lejeune, Schlacht von Marengo, 1802. Bild: Wikimedia
Commons
Die 13 Schlachtengemälde Louis François Lejeunes
aus dem Schloss Versailles offenbaren einen echten Künstler.
Er wusste, dass man für wahre Kenntnis die Gegebenheiten
kennen muss: Er nahm an 17 Feldzügen teil und schuf
seine Werke als historische Dokumente der Kriege der Revolution
und des Kaiserreichs. Während 20 Jahren kämpfte
und malte Lejeune, durchquerte Europa als unermüdlicher
Adjutant, Genie-Offizier mit mathematischer Präzision,
dann Aufklärungsoffizier mit einem Sehvermögen,
das ihm zum perfekten Spion gemacht hätte.
Aber die Ausstellung stellt auch die ewige Frage nach
der Objektivität, und ob die Wahrhaftigkeit, in der
sich Gemälde und Schriften gegenseitig stützen
und die Lejeune seinem Jahrhundert als seine eigene Geschichte
präsentiert, nicht doch nur ein doppelter Roman ist.
Lejeunes Gemälde mit ihrer minutiösen Genauigkeit
wurden naturgemäß für den militärtaktischen
Unterricht benutzt, offenbaren aber gleichermaßen
ihren Charakter als Propagandabilder der napoleonischen
Kriege. Von daher kannte er den populären Erfolg und
die kritische Gunst. Napoleon sagte in seiner Zeit als
Erster Konsul von diesen Bildern, sie sprächen eine
bessere Sprache als seine eigenen Worte, mit denen er das
Volk dazu bringen wollte, ihm zu folgen. Die Militärs
erkannten sich auf seinen nach Pulver und dem Schrecken
des Todes riechenden Leinwänden wieder. Die Besucher
ließen sich mit Leidenschaft von dem Schrecken, der
sie ergriff und ganz Europa in den Griff nahm, hinreißen.
Der Künstler berichtet sowohl von den Heldentaten
Napoleons wie auch von seinen eigenen und stellt sich immer
in der Mitte seiner Gemälde selbst dar. Er entwickelt
sich vom jungen Offizier, der stolz in der Schlacht von
Marengo herumtänzelt zum verwundeten General vor Saragossa.
Der Betrachter verfolgt seine schlanke Gestalt und erkennt
die blonden Haare beim Übergang über den Rhein,
beim Biwak am Abend vor Austerlitz, aber auch mitten in
der Schlacht an der Moskwa. Wie ein Exhibitionist erscheint
er nackt in der Schlacht von Giusanto und bei der Ankunft
im Quartier von Merida.
Lejeune ist in der Tat einer, der auf bemerkenswerte Weise
seine Sujets in Szene setzt, manchmal ist er Komplize,
manchmal Erzähler oder Verführer. Um sein Leben
besser aufzustellen ergänzt er seine Bilder durch
ein geschriebenes Testament, kostbares Zeugnis seiner Epoche,
seiner militärischen Laufbahn und einer so besonderen
Persönlichkeit. In den Erinnerungsstücken eines
Offiziers des Kaiserreichs erscheint er redegewandt, verführerisch,
unbeteiligt, aber engagiert als einer der ersten, wenn
es sich um Geschichte handelt.

Lejeune, Schlacht von Borodino (Moskau) 1812. 1817. ild:
Wikimedia Commons
Louis François Lejeune benutzt die topografischen
Vermessungen, die er für die Armee anfertigte, um
seine Kompositionen aufzubauen. Die Ausstellung im Schloss
Versailles zeigt diese Arbeit mit Hilfe von wissenschaftlichen
Instrumenten und stellt seine Arbeiten denen der Ingenieure
und Topografen Bacler d’Albe und Bagetti ebenso gegenüber
wie denen der Schüler von David, Gros oder Gérard.
Zum ersten Mal werden die Gemälde aus dem Besitz
der Erben des Künstlers öffentlich gezeigt. Im
Gefolge mehrere Erbgänge verstreut, werden sie mit
den Werken aus Versailles und einigen Museen von Toulouse
vereinigt. Porträts und Landschaftsszenen vervollständigen
die Reihe der Schlachtenbilder und erlauben einen intimeren
und schlüssigeren Blick auf diesen Künstler.
Mehr als die napoleonischen Kriege erneut heraufzubeschwören,
markiert die Ausstellung den Wunsch, die außergewöhnliche
Qualität der Sammlungen im Museum der französischen
Geschichte in Schloss Versailles zu betonen und die dringend
notwendige Restaurierung voranzutreiben.
Louis François Lejeune (1775-1848)
Louis François Lejeune studierte die Landschaftsmalerei
bei Pierre-Henri de Valenciennes (1750-1819), besonders
an der Académie royale de Peinture, in die er am
3. März 1789 eintrat. 1792, im Alter von 17 Jahren,
unterbrach er seine Studien und schrieb sich in die Compagnie
des Arts ein. Bald darauf wurde er auch in die Genieabteilung
des Heeres aufgenommen und wurde einer der Adjutanten des
Marschalls Alexandre Berthier. Während der folgenden
zwei Jahrzehnte fand man Lejeune auf allen Schlachtfeldern
Europas – von der Belagerung von Charleroi (1794),
dem Übergang über den Rhein (1795) und dem zweiten
Italienfeldzug (1801) bis zum Deutschlandfeldzug (1805),
dem Guerillakrieg in Spanien (1808 – 1812) und dem
Russlandfeldzug (1812).
1798 stellte Lejeune erstmals im Salon den „Tod
des Generals Marceau“ aus. Bis 1845 war er dann in
allen Salons des Konsulats, des Kaiserreichs, der Restauration
und der Julimonarchie vertreten. Der Erfolg der „Schlacht
bei Marengo“, ausgestellt 1801, steht am Anfang eines
veritablen Zyklus von Schlachtengemälden: die Schlacht
von Aboukir (1804), die von der Lodi-Brücke (1804),
das Lager Napoleons am Vorabend der Schlacht von Austerlitz
(1808) oder die Schlacht an der Moskwa (1822).
Am 3. Februar 1837 beendete die Julimonarchie seine Funktionen
in der Armee. Mit 60 Jahren begann er aber noch eine Karriere
als Notabel: 1837 wurde er Direktor der École des
Beaux-Arts de Toulouse und 1841 nominierte man ihn vorläufig
als Bürgermeister dieser Stadt.
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