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Eine gemeinsame Sprache prägt um 1400 das künstlerische
Schaffen in ganz Europa. Sie zeichnet sich durch raffinierte,
lineare, fließende Stilelemente aus. Diese Strömung, die
"Internationale Gotik" und in Deutschland auch "Weicher
Stil" genannt wird, erinnert an die märchenhafte Welt, die
Audruck der Ideale höfischer Kreise ist. Sie belegt den
regen Austausch zwischen den großen künstlerischen Produktionsstätten,
die gleichzeitig auch die wichtigsten Zentren der Macht
in Europa waren: Paris, Avignon, Prag.
An der Wende zum 15. Jahrhundert nimmt Straßburg einen
herausragenden Platz in der europäischen Kunst ein, die
zu dieser Zeit eine außergewöhnlich reiche künstlerische
Blüte erlebt. Die Stadt zieht Maler, Bildhauer und Architekten
an. Das Straßburger Münster erhält seinen Turm und wird
damit für lange Zeit zum höchsten Gebäude der Christenheit.
Obwohl in Straßburg keine Fürsten residierten, entstanden
hier Werke allerersten Ranges, deren außergewöhnliche Qualität
das Vorhandensein einer anspruchsvollen Kundschaft voraussetzt.
Ihr Auftraggeber war eine bürgerliche Finanz- und Handelselite,
die mit ihrem Lebensstil den Adel nachzuahmen suchte. Die
Vereinigung und Gegenüberstellung von Werken, die heute
über zahlreiche Museen, Kirchen und Privatsammlungen verstreut
sind, veranschaulicht den Reichtum der Straßburger Produktion
und die Bedeutung der Münsterbauhütte für das künstlerische
Leben der Stadt.
Die Ausstellung im Musée de l'Œuvre Notre-Dame, dem Hort
der Straßburger und oberrheinischen Kunst des Mittelalters
und der Renaissance und idealen Ort für diese Schau, zeigt
fast 100 Werke unterschiedlicher Techniken (Gemälde, Handschriften,
Glasfenster, Skulpturen und Bildteppiche), die die hohe
Qualität der künstlerischen Produktion in Straßburg in den
Jahren um 1400 belegen. Erstmals sind die kostbaren Gemälde
des Meisters des Paradiesgärtleins vereint. Unter den Exponaten,
die die Reise nach Straßburg antreten, befinden sich Werke,
die auf Ausstellungen kaum noch zu sehen sind. Sie kommen
aus Deutschland (Frankfurt, Karlsruhe u.a.), Österreich
(Wien), der Schweiz (Solothurn, Bern) und Italien.
ZIELE DER AUSSTELLUNG
Das an einer der wichtigsten Verbindungsachsen Europas gelegene
Straßburg hatte in der unter dem Namen "Internationale Gotik"
bekannten Kunstströmung einen bedeutenden Platz inne. Durch
den Verlust zahlreicher Werke in den folgenden Jahrhunderten
ist diese künstlerische Dynamik bisher nicht ausreichend
gewürdigt worden. Es ist also Zeit für eine Bilanz. Die
Ausstellung, die den gegenwärtigen Stand der Forschung widerspiegelt,
setzt sich zum Ziel, die Bedeutung der Stadt Straßburg für
die europäische Kunst um 1400, ihre Aufgeschlossenheit gegenüber
verschiedenen Strömungen und ihren Einfluss einem breiten
Publikum vor Augen zu führen. Damit schließt sie sich an
eine Serie von neueren Ausstellungen an, die den Zentren
der internationalen Kunst gewidmet waren (Paris, Dijon,
Bourges, Prag).
AUSSERGEWÖHNLICHE KUNSTWERKE
Um 1400 florieren die Straßburger Malerwerkstätten. Unter
den zahlreichen Malern befinden sich zwei Hauptvertreter
der "Internationalen Gotik". Der bekannteste ist der Schöpfer
des "Paradiesgärtleins", das im Städelschen Kunstinstitut
zu Frankfurt aufbewahrt wird.
Der Stil des zweiten Malers, des Meisters der Kreuzigung
mit dem Dominikaner, ist expressiver und herber. Er weist
einen starken Einfluss der böhmischen Kunst auf. Die Ausstellung
umreißt die Tätigkeit der beiden Künstler und ermöglicht
den Vergleich mit Werken aus ihrem Kreis.
Zwischen 1360 und 1440 wird der Bau des Münsters mit besonderem
Eifer vorangetrieben. Im Gegensatz zum vorangehenden Bauabschnitt
kommen die Einflüsse diesmal aus dem Osten. Nach Vollendung
des Oktogons und des Turmhelms ist das Münster für lange
Zeit das höchste Gebäude der Christenheit. Prachtvolle,
monumentale Architekturzeichnungen sowie vom Münster abgenomme
Skulpturen, die erstmals ausgestellt werden, lassen den
Einfluss des Parlerstils aus Schwaben und Böhmen erkennen.
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