Die Münsterbauhütte: "Nicht höher die Kunst"
Zwischen 1360 und 1440 wurde die Errichtung des Münsters
mit Eifer vorangetrieben. Der Baumeister Michael von Freiburg,
ein Mitglied der Parler-Familie, leitete den Bau des Glockengeschosses,
das zwischen den beiden Türmen bis zur Höhe der Plattform
reicht und vor 1398 vollendet wurde. Der Bau des Oktogons
und des Nordturmhelms erfolgte 1399-1439, zuerst unter der
Leitung von Ulrich von Ensingen, später von Johannes Hültz
aus Köln. Damit wurde die Höhe der Fassade auf 142 Meter
verdoppelt, ein Rekord für ein Gebäude aus Stein, den das
Münster bis zum 19. Jahrhundert innehatte.
Die Ausstellung präsentiert wenig bekannte Aspekte des
Münsters und seiner Bauhütte: beeindruckende Risse auf riesigen
Pergamentblättern, die aus konservatorischen Gründen normalerweise
nicht gezeigt werden, wie auch Skulpturen, die vom Glockengeschoss
und dem Turmoktogon stammen und von denen einige erstmals
der Öffentlichkeit vorgestellt werden. So zum Beispiel die
meisterhaften Statuen eines Geistlichen und eines Kaisers
vom Oktogon wie auch eine Gruppe von 28 Abgüssen der Verdammten
und der Auserwählten vom oberen Teil des Glockengeschosses.
Diese Werke lassen zahlreiche Einflüsse erkennen, wobei
vor allem der Parlerstil aus Schwaben und Böhmen der Straßburger
Bauhütte seinen Stempel aufgedrückt hat. So weist die prachtvoll
kolorierte Architekturzeichnung des Mittelteils der Münsterfassade,
auf der die Skulpturen der Himmelfahrtsgalerie und des Jüngsten
Gerichts im Glockengeschoss zu sehen sind, eine stilistische
Nähe zu jener Kunst auf, die sich im dritten Viertel des
14. Jahrhunderts von Prag aus im Westen Europas verbreitete.
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