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FilmChronik "Baden 1803-1952"

"Die FilmChronik ‚Baden 1803-1952' erzählt die Geschichte des Landes und seiner Bewohner." Das verspricht der Pressetext zu einer neuen zweiteiligen Videoproduktion mit Dokumentarfilmen zum ehemaligen Land Baden. Der Film setzt ein mit einer ausführlichen Schilderung des Landlebens und trägt damit der Tatsache Rechnung, dass Baden zu einem sehr hohen Anteil tatsächlich ländlich und agrarisch geprägt war. Die politische Entwicklung des 19. Jahrhunderts, das Baden zu Beginn als kleine Markgrafschaft und zu seinem Ende als Mittelstaat im Deutschen Reich sah, kann naturgemäß kaum mit originalen filmischen Quellen dargestellt werden. Diese Einschränkung zielt aufs Prinzipielle: Eine "Filmchronik", die den Anspruch erhebt, einen Zeitraum zu dokumentieren, kann nur verwirklicht werden, wenn für diese Zeit genügend repräsentatives Material zur Verfügung steht.

So erweist sich die Chronik bereits zu Beginn als anachronistisches Klischee: Mit Aufnahmen aus den 20er und 30 Jahren des 20. Jahrhunderts soll, im Rahmen des frühen 19. Jahrhunderts, eine gewissermaßen zeitlose Einbindung der Menschen in die Landwirtschaft illustriert werden. Von Dokumentation keine Rede. Die Autoren hatten Glück, dass mit dem Filmarchiv des Mannheimer Traktorenherstellers Lanz entsprechendes badisches Material verfügbar war. Typisch badisch ist das allerdings nicht - wie man im Film nach der in der Ankündigung angepriesenen "besonderen badischen Identität" weitgehend vergeblich sucht. Diese wird im Film nicht dokumentiert, sondern einleitend in einem Statement von Prinz Bernhard von Baden genannt.

Die Geschichte Badens im 19. Jahrhundert wird nur kursorisch gestreift und vor allem aus Erläuterungen von Dr. Thomas Schnabel, Direktor des Hauses der Geschichte Baden-Württembergs, deutlich. Andererseits gibt es natürlich zur badischen Verfassung, die nun wirklich typisch badisch war und die badische Identität erst wirklich stiftete, keine Filmaufnahmen, ebenso wenig wie zur Revolution von 1848/49.

Gerade damit ist aber das Projekt, das Baden des 19. Jahrhunderts in originalen Filmdokumenten darzustellen, ein Versuch, der der Quadratur des Kreises nahekommt. Diese Quellenlage führt dazu, dass die beiden Teile des Produktion sehr ungleichgewichtig sind: Während der erste Teil die Zeit von 1803 bis 1933 behandelt, stellt der zweite Teil die Jahre von 1933 bis 1952 dar.

Im Grunde kommt alles, was im ersten Teil angerissen wird, zu kurz - bis auf die oben bereits genannte Landwirtschaft. Badische Verfassung, die Entwicklung des badischen Liberalismus um Liebenstein, Itzstein und Hecker, die Revolution von 1848/49, die preußische Besetzung, der badische Kulturkampf, das Bemühen Badens um Aufnahme in den Norddeutschen Bund, schließlich die besonderen Probleme Badens nach dem ersten Weltkrieg, alles wird nur da angesprochen, wo Filmmaterial - oder ein erzählender Überblick von Thomas Schnabel - zur Verfügung stehen.

Das, was Baden darüber hinaus ausmacht, bleibt unerwähnt: kein Weinbrenner, keine Kirchenunion, keine Trachtenbewegung (die ja durch die Gunst der aus Preußen kommenden Großherzogin Luise den Bollenhut zum Typus hochstilisierte), kein Hansjakob. Und auch keine Flößerei im Schwarzwald, kein "kaltes Herz" und kein "Holländermichel". Kein Johann Peter Hebel. Keine Mietskasernen, keine Gartenstadtbewegung. In Kunst und Architektur keine "neue Sachlichkeit". Von Heidelberg eigentlich nur die Alte Brücke im Filmvorspann, von Mannheim wenig mehr, als dass die Maschinenfabrik Lanz das Filmmaterial lieferte.

Im zweiten Teil dasselbe Bild: Schwerpunkte werden nicht nach sachlichen Gesichtspunkten gesetzt, sondern da, wo das Material vorhanden ist. Wo der erste Teil zu kursorisch vorgehen musste, hat der zweite Teil Längen. So gerät ein Bombenangriff auf Heidelberg zur typischen Trümmerszene, obwohl ja bekanntermaßen Heidelberg nicht gerade als Paradigma für Kriegszerstörungen gelten kann. Widerstand gegen den Nationalsozialismus bleibt im Film ein Schlagwort, ein Begriff, der der Vollständigkeit halber erwähnt wird. Keine Rede von Mannheimer Arbeitermilieu, keine Rede auch vom mutigen Freiburger Erzbischof, dessen Predigten der Bevölkerung Rückhalt gaben. Keine Rede auch von den Zwangsarbeitern im Mannheimer Lager Sandhofen, und keine Rede von den rücksichtslosen Reparationsforderungen der französischen Besatzungsmacht.

An sachlicher Kritik im Einzelfall bleibt hinzuzufügen, dass die Verwendung des Wortes "Markgrafentum" schon mehr als exotisch ist, man könnte hier ohne weiteres beim traditionellen Begriff der Markgrafschaft bleiben. Der Tagungsort der Badischen Landstände ist nicht ein "Städtehaus" (Filmtext), sondern nach wie vor das Ständehaus, und der Begriff "Zähringer" für das Haus Baden, eine Schöpfung des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, sollte nicht unkommentiert verwendet werden. Darüber hinaus ist in jedem (nicht nur badischen) Schulbuch nachzulesen, dass Baden bereits 1871 Teil des Deutschen Reiches ist, nicht erst 1918 (Pressetext).

Was den Betrachter an der Machart des Filmes irritiert, ist die Tatsache, dass Thomas Schnabel als "Erzähler" der Landesgeschichte überall hin spricht, nur nicht zum Betrachter. Wenn er nicht in die Kamera schauen soll, dann muss ein Interview-Partner präsent sein. Zusammenfassend ist den Autoren recht zu geben, wenn sie das Werk "eine unterhaltsame Geschichtsstunde" nennen - mehr ist es nicht. Es ist keine Dokumentation, auf die das Land seit langem gewartet hat, kein durchschlagender Erfolg in dem Versuch einer Quadratur des Kreises. Vieles von dem Material, das geboten wird, ließe sich, anders untertitelt, in der nächsten Filmchronik über das nächste Land wieder verwenden. Eine sachlich fundierte Dokumentation in einem solch begrenzten regionalen Rahmen lässt sich mit Filmquellen nicht bewerkstelligen.

 

 

 

Badische Heimat e.V.
Bezirksgruppe Bergstraße - Neckartal (Heidelberg)


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