Deutschordensmuseum
Bad Mergentheim


Historische Puppenküchen aus der Sammlung Ott

 

Wohnräume - Wohnträume. Puppenstuben aus der Sammlung Ott

Sonderausstellung im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim

12. November 2003 - 14. März 2004

Wohnwelten im Miniaturformat - vom biedermeierlichen Puppenhaus bis hin zur Plastik-Gemütlichkeit der 70er Jahre - präsentiert das Deutschordensmuseum Bad Mergentheim im Winter mit diesem Teil der Sammlung Ott.

 

Die rund 50 ausgestellten Stücke zeigen nicht nur Wohnräume, sondern auch für viele Menschen unerfüllbare Wohnträume im Kleinformat. Technische Neuerungen und Ausstattungsmoden sind ebenfalls präsent: Moderne Beleuchtung und Schreibmaschine, Sofaecke und Wanduhr, aber auch der Vogel im Käfig oder das Telefon finden ihren Platz in der Wohnung im Kleinen. Die Ausstattung der bürgerliche Wohnräume vermittelt detailgetreu - bis zum Tintenfässchen aus Porzellan - ganz genau Lebenssituationen vergangener Zeiten.

Seit dem 16. Jahrhundert gab es die Häuser im Kleinformat - zunächst als wertvolle Anschauungs- und Repräsentationsobjekte für adelige Erwachsene. Hieraus entwickelte sich für geringere Ansprüche die Puppenstube. Als erzieherisches Spielzeug für Mädchen kamen Puppenstuben im 19. Jahrhundert in bürgerlichen Kreisen in Mode. In der Industrialisierung wurde die Erwerbsarbeit vom Privatleben getrennt. Die bürgerliche Kleinfamilie bildete sich heraus. Der Wohnbereich wurde zum privaten Rückzugsbereich. Den Räumen wurden feste Funktionen zugeordnet: das Wohnzimmer zur Repräsentation genutzt, das Schlafzimmer für den rein privaten Bereich, die Küche zur Arbeit. Von den großbürgerlichen Häusern mit einer Vielzahl von Zimmern, über die Etagenwohnungen des Mittelstands bis zu den beengten Wohnverhältnissen der unteren Schichten reicht das Spektrum des Wohnens im 19. und 20. Jahrhundert.

Die Sammlung Ott präsentiert üppig ausgestattete Häuser und Stuben aus dem häuslichbehaglichen Biedermeier, der prächtig-repräsentativen Gründerzeit, die übrigens den

Schwerpunkt der Exponate auf sich vereint, dem organisch-fließenden Jugendstil und der schlicht-modernen Neuen Sachlichkeit der Zwanziger Jahre. Den erneuten Wandel des Wohnens nach dem Zweiten Weltkrieg zeigen Puppenstuben aus den 1950er bis 1970er Jahren aus einer weiteren Sammlung.

An großen, mehrräumigen Puppenstuben der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird deutlich, wie sich das Bürgertum jener Zeit definierte. Protzig ausstaffierte Salons warten mit raffinierten Details auf. Hier frönte man nicht der Gemütlichkeit, sondern ein prachtvoller Rahmen für das gesellschaftliche Leben wurde gespiegelt. In anderen Wohnräumen war man wesentlich privater, die häusliche Idylle wurde betont. Auch das wesentlich einfachere Leben nach 1945 war der Nachbildung wert: die Wohnküche der Nachkriegszeit, der Einzug bunten Kunststoffs, voluminöser Polstermöbel und des Fernsehers. Bis in das 19. Jahrhundert wurden Puppenhäuser in aufwendiger Arbeit von Handwerkern hergestellt. Aus diesen Anfängen entwickelte sich eine ab Mitte des 19. Jahrhunderts wachsende Spielzeugindustrie, die die kleineren Stuben nach und nach auch für den schmalen Geldbeutel erschwinglich machte. Noch gegen Ende des Jahrhunderts konnten sich z. B. lediglich 20% der Bevölkerung dieses aufwendige Spielzeug leisten. In den Zentren der Herstellung arbeiteten oft Familien in Heimarbeit an der Fertigung der Stuben, um ihr Existenzminimum zu sichern. Die Schattenseite dieser Spielzeugherstellung wird durch die Tatsache verdeutlicht, daß bereits 6jährige Kinder zu Hause oder in Fabriken an der Produktion beteiligt waren. Der Anteil der Kinderarbeit am Arbeitsvolumen betrug immerhin 10-12%. Neben dem Katalogsortiment der spezialisierten Firmen mit Massenware gab es aber auch weiterhin Sonderanfertigungen. Immer wieder wurden die gekauften Stücke auch durch Teile ergänzt, die von Eltern, Großeltern oder Paten selbst gefertigt wurden.

In der Schau gibt es auch typisches Jungenspielzeug, wie z. B. ein Lazarett aus dem Ersten Weltkrieg. Diese Art "Spielzeug" ist dem seit dem 19. Jahrhundert produzierten Kriegsspielzeug wie Schießgewehr und Zinnsoldaten zuzuordnen. Puppenstubenpuppen wie die elegante Hausfrau, deren Ehemann in Uniform, die Kinder und das Dienstmädchen in Schürze und Häubchen bevölkern die Stubenminiaturen und geben Auskunft über die Rollenmodelle in bürgerlichen Familien des 19. Jahrhunderts. Ein kulturwissenschaftlicher Vortrag über "Die Welt der Großen im Kleinen", ein Gang mit der Leihgeberin Gerda Ott durch die Ausstellung und ein ausführliches Führungsprogramm für Kinder und Erwachsene begleiten die Ausstellung

zum Begleitprogramm Dienstag - Sonntag 10.00-17.00 Uhr

Schloß 16, 97980 Bad Mergentheim,
Tel 07931/52212, Fax 07931/52669
email: info@deutschordensmuseum.de
www.deutschordensmuseum.de

Kontakt:

Deutschordensmuseum Bad Mergentheim GmbH
Schloss 16
97980 Bad Mergentheim
Tel. 07931 - 52212
Fax 07931 - 52669


Zurück:
Museum Bad Mergentheim - Museen - Franken - Startseite
Register - Impressum
zur ZUM
© Badische Heimat 2002